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Wolfgang Sofsky
Leszek Kolakowski: Götterkrieg

Kolakowski

In den erbaulichen Fabeln aus „Der Himmelsschlüssel“ plädiert Kolakowski, Sohn einer freigeistigen Familie, frühes Mitglied und Dissident der polnischen KP, Exilant nach 1968, Gast in Montreal, Berkeley, Chicago und Yale, von der Frankfurter Philosophiefachschaft wegen „mangelnder marxistischer Linientreue“ als Adorno-Nachfolger abgewiesen, statt dessen viele Jahre Professor für Philosophiegeschichte in Oxford, 1977 Friedenspreisträger des Dt.Buchhandels, nach seinem Tod 2009 mit einer Maschine der polnischen Luftwaffe nach Warschau überstellt, von Außenminister Sikorski am Flughafen mit militärischen Ehren empfangen und auf dem Powązki-Friedhof in einem Staatsbegräbnis beigesetzt, derart unterwegs, vielfach bewandert und belehrt, stets im Streit wider  Selbstvergötterung jeder Art, plädiert Kolakowski fabulös für die Zwei- und Mehrdeutigkeit, die Alternativen, Freiheiten läßt, im Denken, Fühlen, Tun:

„Die Menschen bekämpfen einander wegen der Frage, welchem Gott sie gehorchen sollen. Die Götter bekämpfen einander wegen der Menschen, die ihnen gehorchen sollen. Jedoch in beiden Fällen — im Streit der Götter untereinander wie in dem der Menschen untereinander — werden die Kämpfe schließlich durch die Menschen ausgetragen. Nicht hier jedoch liegt der neuralgische Punkt in den Beziehungen zwischen Himmel und Erde. Das Entscheidende ist, daß die Götter von den Menschen ständig eine klare Stellungnahme für die eine oder andere Seite verlangen und keine ungeklärten Situationen dulden. Sie zwingen den Menschen dadurch, sich ständig zu einer Alternative zu bekennen und nehmen so seiner Existenz jene angenehme Zweideutigkeit, die zu den wichtigsten Reizen des Daseins gehört.“

© WS 2016

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