Schlagwörter

, , ,

Wolfgang Sofsky
Richard Meier: Heiliges Weiß

meierdouglashouse

Richard Meier, der in Cornell Literatur bei Nabokov gehört und Anfang der 60er im Büro von Marcel Breuer gearbeitet hatte, bevor er sich zu den „New York Five“ gesellte, ist einer der bekanntesten Baumeister der Gegenwart. Man sagt ihm nach, er habe sich anfangs nicht zuletzt an Le Corbusier orientiert. Viele seiner Gebäude stehen an markanten Orten, an Hängen, auf Hügeln, an Küsten, mit Blick aufs Meer, den Fluß oder das Ulmer Münster. Meier konzipierte elegante Wohn- und Apartmenthäuser, Kirchen, Club- und Warenhäuser, Museen, die Kathedralen der Moderne, ferner Firmensitze, darunter das Getty Center über den Dächern von Los Angeles. Zum Vokabular seiner Baukunst gehört neben Rampen, Brücken, Decks, Relings, und hohen Glasfassaden, das manche Bauwerke wie weiße Dampfer über der farbigen Erde schweben läßt, vor allem die Farbe Weiß. Hierzu hat sich Meier mehrfach geäußert:

„Weiß reflektiert alle Farben der Umgebung. Man kann die Sachen klarer sehen in einem weißen Gebäude und das Weiße spiegelt die Farben der Natur, die überall um uns herum ist. Es unterstreicht die Lage am Fluss mit den Gebäuden der Umgebung, denn das weiße Gebäude erlaubt uns die benachbarte Farbe klarer zu sehen als den Rest.“

„Weiß ist keine Farbe – und es ist alle Farben. Weiß reflektiert das ganze Farbspektrum des Regenbogens. Es erlaubt Ihnen alle Farben zu schätzen, die um Sie herum sind, zu jeder Zeit. Architektur ist vom Menschen gemacht und Natur ist um uns herum. Eine weiße Architektur reflektiert die Farben in der Natur… Es gibt nicht nur ein Weiß. Im Arp Museum (Remagen) könnten sogar 135 Nuancen des Weiß gezeigt werden. Die Weißtöne, die ich nutze, sind anders als die, die andere Architekten bevorzugen. Während meines Lebens habe ich viele Studien zu den Unterschieden in den Nuancen des Weiß gemacht. Bis heute habe ich für jedes Projekt einen bestimmten Weißton vor Augen. Ich muss die Töne im Laufe der Zeit aber auch immer wieder verändern, weil sich die Vorschriften ändern bei der Verwendung von Chemikalien.“

Meier,Rom

„Weiß ist das vergängliche Zeichen ständiger Bewegung. Weiß ist immer da, aber nie dasselbe – hell und sanft geschwungen am Tag, silbern und gleißend bei Vollmond oder an Silvester. Zwischen dem Meer des Bewußtseins und der gewaltigen Materialität der Erde liegt die sich ständig verändernde Linie des Weißen. Weiß ist das Licht, das Medium einer verstehenden und transformierenden Macht.“

„Licht ist das Mittel, das uns dazu befähigt, das zu erleben, was wir das Heilige nennen. Licht ist der Ursprung dieses Gebäude.“ (zur Chiesa del Dio Padre Misericordio, Rom).

© WS 2016

Advertisements