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Wolfgang Sofsky
David Hume: Das Schauspiel der Dinge

hume

Man hat sich über die Jahrhunderte darüber gestritten, ob David Hume ein Atheist war oder sich nur weigerte, sich Atheist zu nennen, weil er die zeittypischen Nachteile wie einen Platz auf der Galeere oder im Kerker fürchtete. Religionsfreunde nannten ihn lediglich einen Agnostiker, obwohl seine Argumente so harmlos und unentschieden keineswegs sind. Eines seiner Argumente führt in die Nähe von Hobbes´ negativer Theologie, wonach man über X überhaupt nichts sagen kann, wenn man X nicht zu einer Art Supermensch verniedlichen will. Auch über einen Schöpfer der Natur läßt sich nichts weiter sagen als das, was man über sein Werk, die Natur, sagen kann. So heißt es in Humes Enquiry Concerning Human Understanding im 11.Abschnitt:

„Zugegeben also, die Götter seien die Urheber der Existenz und Ordnung des Universums, so folgt, daß sie genau jenen Grad an Macht, Intelligenz und Güte besitzen, der in ihren Werken erscheint; nichts darüber hinaus kann jemals bewiesen werden, außer wir berufen uns auf Übertreibung und Schmeichelei, um die Mängel der vernünftigen Argumentation zu ersetzen. Soweit sich die Spuren der Eigenschaflen jetzt zeigen, soweit können wir auf die Existenz dieser Eigenschaften schließen. Die Annahme weiterer Eigenschaften ist bloße Hypothese,  noch mehr die Annahme, daß es in fernen Räumen oder Zeiten eine großartigere Kundgabe dieser Eigenschaften und ein solchen eingebildeten Eigenschaften entsprechendes Ordnungsschema gegeben habe oder geben werde: Es kann uns niemals gestattet sein, vom Universum als der Wirkung zu Jupiter als der Ursache aufzusteigen und dann herabzusteigen, um aus dieser Ursache eine neue Wirkung abzuleiten – als ob die gegenwärtigen Wirkungen allein nicht ganz der ruhmreichen Eigenschaften würdig wären, die wir der Gottheit beilegen. Da die Kenntnis  der Ursache ausschließlich aus der Wirkung hergeleitet ist, müssen beide einander genau angemessen sein, und das eine kann sich auf nichts weiteres beziehen oder die Grundlage einer neuen Ableitung und Schlußfolgerung sein.

Ihr findet gewisse Phänomene in der Natur. Ihr sucht nach einer Ursache oder einem Urheber. Ihr bildet euch ein, ihn gefunden zu haben. Ihr verliebt euch nachher so in euer Hirngespinst, daß es euch unmöglich dünkt, es sollte nicht etwas Größeres und Vollkommeneres hervorbringen als das gegenwärtige Schauspiel der  Dinge, das so voll Übel und Unordnung ist. Ihr vergeßt, daß diese überlegene Intelligenz und Güte völlig imaginär oder, zumindest, ohne jede vernünftige Grundlage ist und daß ihr keinen Grund habt, ihr andere Qualitäten zuzuschreiben außer denen, die ihr wirklich in ihren Werken ausgeübt und entfaltet seht. Laßt deshalb, o Philosophen, eure Götter dem gegenwärtigen Erscheinungsbild der Natur entsprechen und trachtet nicht, diese Erscheinungen durch willkürliche Unterstellungen zu verändern, um sie den Eigenschaften anzupassen, die ihr so gerne euren Gottheiten beilegt.“

© WS 2016

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