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Wolfgang Sofsky
Der Preis der Hörigkeit

Der erste Warner vor den Kosten der Herrschaft war Jahwe selbst. Im achten Kapitel von Samuel 1 begehren die Israeliten von Samuel einen König, auf daß er über sie richte, so wie es bei allen Völkern sei. Das aber gefiel Samuel übel und so fragte er den Herrn. Dieser aber anwortete: Gehorche der Stimme des Volkes in allem, was sie von Dir fordern, aber nenne ihnen den Preis der Unterwürfigkeit, wie ich es Dir auseinandergesetzt habe. Und Samuel sagte zu dem gehorsamgierigen Volk: „Das wird des Königs Recht sein, der über Euch herrschen wird. Eure Söhne wird er nehmen zu seinem Wagen und zu Reitern, und daß sie vor seinem Streitwagen her laufen; und zu Hauptleuten über tausend und fünfzig und zu Ackerleuten, die ihm seinen Acker bauen, und zu Schnittern in seiner Ernte, und daß sie seine Kriegswaffen und was zu seinem Wagen gehört, machen. Eure Töchter aber wird er nehmen, daß sie Salbenbereiterinnen, Köchinnen und Bäckerinnen seien. Eure besten Äcker und Weinberge und Ölgärten wird er nehmen und seinen Knechten geben. Dazu von Eurer Saat und Euren Weinbergen wird er den Zehnten nehmen und seinen Kämmerern und Knechten geben. Und eure Knechte und Mägde und eure schönsten Jünglinge und eure Esel wird er nehmen und seine Geschäfte damit ausrichten. Von euren Herden wird er den Zehnten nehmen, und ihr müßt seine Knechte sein. Wenn ihr dann schreien werdet zu der Zeit über euren König, den ihr euch erwählt habt, so wird euch der Herr zu derselben Zeit nicht erhören. Aber das Volk weigerte sich, zu gehorchen der Stimme Samuels, und sprachen: Mitnichten, sondern es soll ein König über uns sein,  daß wir auch seien wie alle Heiden, daß uns unser König richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe. Und da Samuel alle Worte des Volks gehört hatte, sagte er sie vor den Ohren des Herrn. Der Herr aber sprach zu Samuel: Gehorche ihrer Stimme und mache ihnen einen König. Und Samuel sprach zu den Männern Israels: Gehet hin, ein jeglicher in seine Stadt.“ (1.Sam,11-22)

Thomas Paine kam nicht ohne Grund gelegentlich auf diese Textstelle zurück. Das „Recht des Königs“ ist das Recht jeder Regierung, der gewählten wie der heiß ersehnten. Die Regierung kommandiert die jungen Männer zu den Waffen und die Frauen zur Arbeit. Sie läßt die Untertanen für den Staat arbeiten, beraubt sie ihres Eigentums und ihrer Arbeitserträge. Ein Heer von Beamten, Kämmereren und Knechten sind zu ernähren. Demütig erwarten die rechtsgläubigen Untertanen die Sprüche des Richters, die Worte der Macht, das Lob des Königs für erwiesene Treue und Ergebung. Jahwe kannte den Preis der Herrschaft und ließ durch Samuel davor warnen. Doch die Menschen in ihrer selbstverschuldeten Torheit verzichteten auf ihre Freiheit und legten sich selbst in die Ketten der Regierung.

© W.Sofsky 2016

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