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Wolfgang Sofsky
Claude Lévi-Strauss: Der Ursprung der Mondflecken

levistrauss

Gestern abend war in der oberen Etage des Holbach-Instituts Claude Lévi-Strauss zu Gast. Er hatte es naturgemäß nicht allzu weit. Er berichtete von seinem Leben in Brasilien, in New York, in Paris, von den Riten, Kulten der Menschen und den universalen Strukturen ihrs Denkens: http://www.arte.tv/guide/de/058866-000-A/das-jahrhundert-des-claude-levi-strauss

Zum Abschluß seines Besuchs, es war schon spät und die Sonne der Nacht stand bereits am Himmel, erzählte der Mythenmann noch eine letzte Geschichte, die unter den Leuten des Ostens, den Puelche, überliefert wurde. Sie berichtet, wie einst die Flecken auf den Mond kamen: Zwei schwarze Vögel fraßen den Sohn der Sonne auf. Um die Vögel zu fangen, nahm Mond und dann Sonne die Gestalt von Aas an. Dem Mond mißlang es, die Sonne jedoch vermochte sich eines der Vögel zu bemächtigen. Der andere Vogel indes blieb frei. Er hatte zwei kleine Knochen des Sonnenkindes geschluckt, so daß seine Auferstehung unmöglich war. Daraufhin rief Sonne alle Tiere der Welt zusammen, um die Zeit, die Länge des Tages, der Nacht, der Jahreszeiten festzulegen. Als man sich einig war, stiegen Sonne und Mond zum Himmel hinan, aber der Mond schrie so laut, daß die verärgerten Tatus aus ihren Erdlöchern kamen und ihm das Gesicht zerkratzten. So hatte der Mond nun für immer Flecken im Gesicht.

© WS 2016

 

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