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Wolfgang Sofsky
Lorenzo de´ Medici: Auf hartem Steine sitzend

lorenzomedici

Von Lorenzo de´ Medici, dem Magnifico (1449-1492), der in frühen Jahren neben Dante, Boccaccio auch Petrarca studierte, stammen diverse Sonette, darunter auch eines über die Melancholie des Liebesleids. Die Geste des abgestützten Kopfs wird auch hier ausdrücklich, aus der Innenperspektive, beschrieben. In Ruhe gestellt, folgen die schweren Gedanken dem Gang der Zeit, Tag um Tag, Nacht um Nacht, von Momenten der Freude zu steter Pein und Klage.

Io mi sto spesso sopra un duro sasso,
e fo col braccio alla guancia sostegno,
e meco penso e ricontando vegno
mio cammino amoroso a passo a passo;

e prima l’ora e ´1 di che mi fe´ lasso
Amor, quando mi volle nel suo regno;
poi ciascun lieto evento ed ogni sdegno,
infino al tempo che al presente passo.

Cosi pensando al mio si lungo affanno
ed a´ giorni e alle notti, come vuole
Amor, ch´io ho già consumati in pianti,

ne veggendo ancor fine a tanto danno,
mia sorte accuso: e quel che più mi duole
è trovarmi lontan da´ lumi santi.

Ich sitze oft auf einem harten Stein und mache meiner Wange aus meinem Arm eine Stütze und überdenke und rekapituliere Schritt für Schritt den Gang meiner Liebe;

zuerst den Tag und die Stunde, da mich die Liebe überwand und in ihre Gewalt nahm; dann jedes freudige Ereignis und jede Pein bis hin zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

So mein langes Leid bedenkend und die Tage und Nächte, die ich, wie die Liebe es will, schon mit Klagen verbracht,

und noch kein Ende absehend solchen Kummers, klage ich mein Schicksal an: doch was mich noch mehr peinigt, ist, mich weit entfernt vom heiligen Licht zu finden.

L.d.M. il Magnifico: Tutte le opere. A cura di Gigi Cavalli, Bd.2, Mailand 1958, S.88 (Ü: L.Völker)

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