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Isabeau Prévost
J.A.M.Whistler: Symphony in White Nr.1

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Wenn wir uns schon in symbolischen Sphären bewegen, es finden sich daselbst nicht nur Denkerfiguren, weibliche ebenso wie männliche, sondern auch Variationen zur Farbe Weiß, die auf diesen Seiten ja schon einmal eine gewisse Aufmerksamkeit gefunden hat. Erinnert sei z.B. an die Bildnisse von Whistler, der seine irische Geliebte Jo Hiffernan in weiße Kleider hüllte. Das erste „The White Girl“, auch Symphony in White Nr.1, vom Winter 1861 zeigt die junge Dame mit aufgelöstem Haar, zu ihren Füßen ein Blumensträußchen, Fell und Kopf eines Wolfs. Nach einem Wort des Kunstkritikers Jules Antoine Castagnary hält das Bildnis „jenen beunruhigenden Moment“ fest, „wenn der jungen Frau Zweifel kommen und sie darüber staunt, an sich selbst nicht mehr die Jungfräulichkeit der vorherigen Nacht feststellen zu können.“ Das ist hübsch gesagt für den Zustand der verlorenen Unschuld, den man in dem Bild sehen wollte. Courbet soll das Bild hingegen als ganz und gar unrealistisches Machwerk gesehen haben, als „eine Erscheinung mit einem geistigen Gehalt“. Vielleicht hat er auch an einen weißen Geist gedacht. Der offizielle Salon in Paris und die Royal Academy lehnten das skandalträchtige Bild jedenfalls ab. Der Salon des Refusés zeigte es 1863, zusammen mit dem nicht minder skandalträchtigen Werk Manets Déjeuner sur l´herbe. Auf der Suche nach Vorbildern vermißte man auch, daß das Bild nicht der „Frau in Weiß“ von Wilkie Collins entspräche. Man sieht, im Wirrwarr symbolischer Zuschreibungen kann man sich leicht verirren. Der Maler selbst, James Abbott McNeill Whistler, der Amerikaner in Paris, sagte einfach: „My painting simply represents a girl dressed in white standing in front of a white curtain.“ Anders gesagt: Das Bild ist ein Experiment von Weiß in Weiß.

Prévost

(aus einem Brief von Isabeau Prévost, Strasbourg. IP ist korrespondierendes Mitglied des Holbach-Instituts).

© IP,WS 2016

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