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Wolfgang Sofsky
Jack London: Weißes Schweigen

jacklondon

Im Februar 1899 erschien im Overland Monthly eine Kurzgeschichte von Jack London: „The White Silence“. Sie handelt von dem Versuch von Mason, seiner Frau Ruth und Malemute Kid, die weiße Wildnis am Yukon zu durchqueren. Londons Schilderung der ebenso stummen wie gleichgültigen Natur ist Kontinente entfernt von jenen weißen Gefilden, in die sich zentraleuropäische Schneegänger gelegentlich verirren. Die berühmteste Passage lautet:

„Die Natur kennt viele Wege, um den Menschen von seiner Endlichkeit zu überzeugen – den ewigen  Wechsel der Gezeiten, die Wut des Sturms, den Schock der bebenden Erde, das Grollen der Himmelsartillerie -, das Schrecklichste aber, das Betäubendste überhaupt ist das Weiße Schweigen, in dem nichts geschieht. Jede Bewegung erstirbt, die Luft wird klar, die Himmel sind messinggelb; das leiseste Flüstern wirkt wie ein Frevel, und der Mensch wird ängstlich,erschrickt  beim Laut seiner eigenen Stimme. Ein einsamer Fleck Leben, der die gespenstischen Wüsten einer toten Welt durchwandert, den sein Wagemut schaudern läßt und der erkennt, daß er ein Wurm ist, sonst nichts.

Sonderbare Gedanken steigen ungerufen in ihm auf, und das Geheimnis aller Dinge kämpft um Worte….“

© WS 2016

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