Schlagwörter

, , ,

Wolfgang Sofsky
Goya: Inquisition

goyainquisitionkorr

Religionsterror wird öffentlich ausgestellt, bei der Verbrennung der Delinquenten, bei ihrer Schändung, bei der Verkündung des Urteils. Die Religion usurpiert die Verfahren der Justiz, klagt an, überführt, verhängt Urteile und vollstreckt sie. Viel Volk ist immer versammelt, wenn der Schauprozeß inszeniert wird. Die Gesichter verschwimmen in Namenlosigkeit. Rund um das Podium indes sitzen die Mönche der verschiedenen Orden. Man erkennt sie an den weißen, schwarzen, braunen, schwarzweißen Kutten und Trachten. Angeklagt sind vier Personen. Sie tragen eine Art Meßgewand und Spitzhüte, auf denen rot aufzüngelnde Flammen gezeichnet sind, die Zeichen des nahen Scheiterhaufens. Der Vertreter der weltlichen Obrigkeit sitzt lässig da, hat den linken Fuß nach vorn geschoben und hört aufmerksam der Urteilsverkündung zu. Der Inquisitor in der Bildmitte berät sich mit dem Gehilfen der peinlichen Untersuchung. Im Schein der Kerze verliest der Richter das Urteil. Die Angeklagten reagieren individuell. Einer hat sittsam den Kopf gesenkt und die betenden Hände zum Empfang des Urteils gefaltet. Ein anderer in der ersten Reihe ist verzweifelt in sich zusammengesunken. Einem Ditten haben sich die Füße weit auseinandergestellt, als wollte sein Körper aus sich herausfahren. Francisco Goya hat das Bild zwischen 1812 und 1819 gemalt, vielleicht noch vor 1814, als die Inquisition unter dem Regime Bonapartes zwischenzeitlich ausgesetzt war. 1815 wurde er selbst vor das Sanctum Officium zitiert, wegen der Bildnisse von der nackten und der bekleideten Schönen. Goyas Antworten sind nicht überliefert.

© W.Sofsky 2017

Advertisements