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Wolfgang Sofsky
Tristan Tzara: DadaLala

1920, zu einer Zeit, da der Zeitgenosse noch Zeitung las, gab Oberdada Tristan Tzara eine manifestierte Empfehlung heraus, wie jedermann ein Gedicht dichten könne, das dicht von seiner Eigenart zeuge, von anderen indes als Zeugnis undichter Unart bewertet würde. Wie aber verfertigt man ein Dadalala in Zeiten, da Zeitgenossen keine Zeitung mehr lesen, da daselbst schon allerhand Dadalala gedruckt ist?

„Um ein dadaistisches Gedicht zu machen

Nehmt eine Zeitung.
Nehmt Scheren.
Wählt in dieser Zeitung einen
Artikel von der Länge aus, die
Ihr Eurem Gedicht zu geben
beabsichtigt.
Schneidet den Artikel aus.
Schneidet dann sorgfältig jedes
Wort dieses Artikels aus und gebt
sie in eine Tüte.
Schüttelt leicht.
Nehmt dann einen Schnipsel nach
dem anderen heraus.
Schreibt gewissenhaft ab
in der Reihenfolge, in der sie aus
der Tüte gekommen sind.
Das Gedicht wird Euch ähneln.
Und damit seid Ihr ein unendlich
origineller Schriftsteller mit einer
charmanten, wenn auch von den
Leuten unverstandenen Sensibilität.“

© WS 2017

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