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Wolfgang Sofsky
Eliteherrschaft

Das Konzept der Machtelite, wie es C.Wright Mills, in den 50er Jahren vorgestellt hat, um die Dominanz eine Gruppe von Politikern, Unternehmern und Militärs zu bezeichnen, wirft gewiß eine Reihe von Problemen auf. So wird man in Zeiten der „Mediengesellschaft“ auch Personen und Organe aus dem Bereich der organisierten Öffentlichkeit, der Meinungselite hinzuzählen müssen, ebenso das Leitungspersonal der Verwaltungen, Justiz, der Kultur und diverser Verbände. Daß die Machtelite keine homogene Kleingruppe ist, versteht sich von selbst. Wenn Bankiers, Politiker, Journalisten, Verleger und Bischöfe keine organisierte pressure group bilden, so ist das jedoch kein Indikator für gegenseitige Unabhängigkeit, sondern im Gegenteil das Zeichen einer unübersehbaren Übereinstimmung zwischen den Teileliten. Insbesondere die machiavellische Tradition von Pareto oder Mosca hat zudem auf Fraktionen und Rivalitäten innerhalb oder zwischen Eliten verwiesen. Die spätmarxistische Sichtweise redet weiterhin lieber von herrschender Klasse, meint jedoch der Sache nach wenig anderes.

Wie immer, zu den Verschleierungsstrategien der Herrschaft gehört es, die Tatsache von Machteliten oder herrschenden Klassen zu leugnen oder diese Diagnosen, wie heute üblich, als „demokratiefeindlich“, „rassistisch“, „faschistisch“ oder „reaktionär“ zu diffamieren. Meist kommen diese Diffamierungen aus dem Munde der Vorsprecher der entsprechenden Eliten. Eliten zu leugnen heißt, Macht zu leugnen. Und auf diesen Schwindel sollte niemand hereinfallen. Auch der „subtile“ Hinweis aus pseudoliberalem Munde, Machteliten seien ja nur „Leistungseliten“ ist erkennbar eine ideologische Verkleisterung. Niemand hat bestritten, daß manche Angehörigen moderner Machteliten bis zum Umfallen arbeiten, schließlich macht soziale und politische Macht immer eine gewisse Arbeit, aber daraus folgt nicht, daß diese Macht deswegen gerechtfertigt sei. So schwierig manches Detailproblem des Elitekonzepts auch sein mag, kritische Beobachter des Zeitgeschehens sollten sich die Rede von Elite und Eliteherrschaft von den Freunden der Macht nicht untersagen lassen.

© W.Sofsky 2017

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