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Wolfgang Sofsky
James Joyce: Non serviam

Die Hölle ist ein Strafort der Sünde, doch welche der Sünden ist höllenpflichtig? Die Prediger und Gottesgelehrten sagen, es sei die Sünde des Hochmuts, der „sündige, blitzschnell empfangene und geborene Gedanke: non serviam – ich werde nicht dienen. Dieser Augenblick war sein Untergang. Er beleidigte die Majestät Gottes durch den sündigen Gedanken eines Augenblicks und Gott stieß ihn aus dem Himmel in die Hölle für immer.“ (A Portrait of the Artist as a Young Man) „Non Serviam“, das war nicht nur der Leitspruch Luzifers oder des Prometheus, des ungehorsamen Adam, des Dädalus, der die Befehle des Minos mißachtete, des Theseus, des Odysseus, der dem Poseidon widerstand, des Telemach, der die Fürsten beleidigte, all der Rebellen und Abtrünnigen, die sich von Göttern, Kaisern und Herren lossagten, nicht zuletzt auch von Stephen Dedalus und seinem Dichter Joyce, die das Gefängnis ihres Landes, der Kirche und des College verließen, überdrüssig des Gehorsams, der Aussicht auf endloses Dienen. Non serviam, das ist der Leitspruch aller, welche sich der Macht verweigern, der Obrigkeiten, der Vorschriften, Gebote, Gesetze. Ich werde nicht länger dienen – niemandem, das ist der Urimpuls jeder Befreiung, jeder Anarchie. Dafür sehen die Herren und Damen jeglicher Couleur Ermahnung, Verachtung, Strafen, Höllenfeuer vor.

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