Neuerscheinung: „Lautlos“ – Inhalt

Schlagwörter

Wolfgang Sofsky
Neuerscheinung: „Lautlos“ – Inhalt

Jetzt neu:
Lautlos
Verlag: Createspace Independent Publishing, London/Leipzig/Wroclaw,
ISBN-10: 154545602X
ISBN-13: 978-1545456026
br., 104 Seiten, 7,60 €; 8,20 USD; 6,30 GBP.
zu beziehen über Amazon.

„Lautlos“ versammelt 71 kurze Geschichten über Menschen und Tiere, Geister und Götter. Manche handeln von wirklichen Vorkommnissen, andere von irrealen oder surrealen Begebenheiten. Unter den ernsten Stücken sind auch mehrere von eher heiterer Natur. Einige Geschichten haben eine tiefere Bedeutung, andere nicht.

Inhalt: Lautlos S.5, Fälle 6, Grundlos 7, Der Bote 8, Käsetorte 11, Pferdegetrappel 12, Keine Umstände 14, Der Austräger 16, Ein Spaßmacher 17, Hülsen 18, Holzkatzen 19, Festmahl 20, Am Straßenrand 22, Samstagnachmittag 23, Licht 24, Rühreier 26, Lange Bahn 28, Lavendel 29, Baskenmütze 30, Blindweiß 31, Atemlos 32, Kabel 33, Fürsorge 34, Gleisbett 35, Der Koffer 36, Schatten 38, Tor 39, Der Zigarillo 40, Stellenausschreibung 41, Der Berg 43, Drei Brüder 44, Ein Unfall 45, Erinnerungen 46, Schlaflos 47, Sand 48, Müllkipper 49, Krokodile 50, Ein Elefant 51, Blechkannen 52, Pflanzenschmerz 53, Vikunja 55, Die Peitsche 56, Konzert 58, Rückkehr 60, Der Ring 61, Glissando 62, Favoriten 63, Schließung 64, Der Inquisitor 66, Ungestüm 68, Totenspeise 70, Die Mauer 71, Fittiche 72, Die Sterblichen 73, Die Unsterblichen 76, Wortlos 79, Wortschwall 81, Lobpreis 82, Bilanzen 83, Zwei Götter 85, Rasso 86, Danach 88, Blindenzug 90, Abstieg 91, Die rote Schleife 92, Seidenkleider 93, Nachtfarben 94, Gesichter 96, Federmantel 97, Nachhall 98, Zeit 99.

© WS 2017

Arno Schmidt: Wider das Gerede von der „christlich-abendländischen Kultur“

Schlagwörter

, ,

Wolfgang Sofsky
Arno Schmidt: Wider das Gerede von der „christlich-abendländischen Kultur“

In seinem noch immer lesenswerten Essay „Atheist?: Allerdings!“ von 1957 wendet sich Arno Schmidt auch gegen die Floskel von der „christlich-abendländischen Kultur“, nicht um – in einem Akt spezieller zeitgenössischer Torheit – dem Islam Tür und Tor zu öffnen, sondern um die Grundlage abendländischer Kultur freizulegen: „la lumière sans phrase“.

Was hat das Christentum zur Entwicklung des Guten, Wahren und Schönen beigetragen? Hier über die Religion und das Schöne:

„Des Schönen?: Wenn wir Künstler lediglich auf die Antriebe und Arbeitshypothesen des Christentums angewiesen wären : höchste Spitze wären Dostojewskijfiguren; Menschen ohne Renaissance; sündig-formlos; weichselzöpfige Trolle, Brackwässer des Geistes tretende; in rotten boroughs kauernde; und literarische Schwedentrünke vomierend à la: „Es danket DIR mit Herz und Mund / die arem, sünd’ge Made. / DEIN Leichnamsduft durchweh‘ dies Haus, / DEIN Blut bespreng‘ die Herzen … “ (ob der betreffende Verfasser wohl jemals kriegerische Leichenfuder gerochen hat? Ich ja!).

Und man soll mir nicht nur Beschäftigung mit der Dichtung vorwerfen können; nicht nur Berufung auf den großen Bruder Goethe, ihn, dem das Kreuz verhaßt war wie Wanzen, Rauch des Tabaks, Knoblauch und Hundegebell. Wieviel hat nicht die Kirche den Malern zu verdienen gegeben, was? Die rechte Antwort ist längst gegeben : „Indem der himmlische Sinn des Guido, sein Pinsel, der nur das Vollkommenste, was geschaut werden kann, hätte malen sollen, Dich anzieht – : so möchtest Du gleich die Augen von den abscheulich dummen, mit keinen Scheltworten der Welt genug zu erniedrigenden Gegenständen wegwenden – man ist immer auf dem Schindanger! Entweder Missetäter oder Verzückte, Verbrecher oder Narren; wo denn der maler, um sich zu retten, einen nackten Kerl, eine hübsche Zuschauerin herbeischleppt. Unter zehn Sujets nicht eins, das man hätte malen sollen : und das eine hat der Künstler nicht von der rechten Seite nehmen dürfen. Ein ‚Johannes in der Wüste‘, ein ‚Sebastian‘, wie köstlich gemalt; und was sagen sie? : der Eine sperrt das Maul auf; der Andere krümmt sich!“ (Wie hätte Malerei denn auch sollen gedeihen können, wo jahrhundertelange ikonoklastische Stänkereien ihr oftmals den Boden gänzlich unter den Füßen wegzogen?!)

Das Christentum ist nämlich – trotz aller später hinzuerfundenen „Niederen Mythologie“ seiner Heiligen, oder der schüchtern fabulierenden Legenden – künstlerisch einfach nicht konkurrenzfähig! Nicht gegenüber der Gestalten- und Gedankenfülle der Antike; nicht gegenüber dem Material der Geschichte oder der Naturwissenschaften – kurz : nicht gegenüber dem von ihm überheblich vernachlässigten, ja verleumdeten, dem Künstler aber unentbehrlichen (weil zur Gestaltung aufgegebenen) Leben schlechthin!

(Ich protestiere an dieser Stelle feierlich gegen die heute unaufhörlich kursierende falsche Wortmünze von der „christlich-abendländischen Kultur“. Eine „christliche Kultur“ ist, eben wegen der dort grundsätzlichen Diffamierung von Kunst und Wissenschaft, ein Widerspruch in sich! Unsere abendländische Kultur, auf Altertum und Renaissance geruhend, ist im härtesten Kampf gegen die ausgesprochen kulturhemmenden Kräfte des Christentums entstanden! Also Schluß endlich mit dem klangvoll-widersinnigen Silbenfall!)…

Gibt denn niemand die Tatsache zu denken, daß von unserem großen Sechsfachgestirn – Goethe,Herder, Klopstock, Lessing, Schiller, Wieland: nie sah die Welt gleichzeitig ihresgleichen!-, daß von diesen Sechsen nicht einer katholisch war; dafür aber drei – die besseren Drei! erklärte Feinde jeder positiven Religion, deutlicher: des Christentums?!“

 © WS 2017

Religionsfreiheit

Schlagwörter

,

Wolfgang Sofsky
Religionsfreiheit

Religionsfreiheit = Freiheit von Religion, inkl. Freiheit von politisierenden Predigern und predigenden Politikern, inkl. Freiheit von staatlich verbürgten Privilegien für Kirchen, Sekten, Vereinen, inkl. Freiheit von Religions- oder Kirchensteuern, Freiheit von staatssteuerlicher Finanzierung theologischer Lehrstühle und Fakultäten, Freiheit von staatssteuerlicher Subventionierung religiöser Großveranstaltungen, inkl. Freiheit von religiöser Propaganda und Indokrination in staatlichen Einrichtungen (z.B. Schulen), inkl. Freiheit von kirchlichem Einfluß auf öffentlich-rechtliche Institutionen. Als private Vereine ohne staatssteuerliche Subvention können religiöse Gemeinden und Institutionen mit ihren Eigenmitteln tun, was sie wollen, solange sie sich an die Gesetze halten. Inwiefern einem Verein Gemeinnützigkeit zukommt, ist im Einzelfall zu entscheiden. Torheiten und Narreteien jeder Art sind in freien Gesellschaften gestattet, inkl. der Selbstschädigung des eigenen Verstandes und der eigenen Person.

© WS 2017

Theo van Doesburg: Dada – überall!

Schlagwörter

,

Wolfgang Sofsky
Theo van Doesburg: Dada – überall!

„Dada hat die Welt entdeckt, so wie sie ist, und die Welt hat sich in Dada selbst erkannt. Dada ist der Spiegel, in dem sich die Menschheit selbst sieht. Die Idealisten sehen die Welt so, wie sie sich die Welt wünschen. Die Dadaisten wünschen sich die Welt nicht anders, als sie sie sehen, nämlich dadaistisch: Gleichzeitigeit von Ordnung und Unordnung, von Ja und Nein, von Ich und Nicht-Ich…

Tausende von Menschen versammeln sich auf einem passivistischen Kongreß, ersticken in Phrasen über den Ewigen Frieden und Bruderliebe, während sie der erste beste Pfuscher mit demselben Enthusiamus an die Front schleifen läßt. Dada!“ (1923) Der Sinn für Unsinn geht mit einem starken Sinn für Realität einher. Oder mit den Worten von Kurt Merz-Schwitters, der seinerzeit mit Doesburg einen Dada-Feldzug durch Dada-Hollandia unternahm: „Dada – und die Blinden werden sehend. Sie sehen, daß die Welt dada ist, und sie lachen ohne aufzuhören über die schwergewichtigen Haarspaltereien der Moralisten und Politiker“.

© WS 2017

Kritik der deutschen Ideologie

Wolfgang Sofsky
Kritik der deutschen Ideologie

1845/6 hatten es Marx, Engels, Moses Hess und Joseph Weydemeyer noch mit illustren Gegnern zu tun, als sie sich die Kritik der deutschen Ideologie vornahmen. Ihre Attacke zielte gegen die Hegelsche Nachhut: Feuerbach, Bruno Bauer, Max Stirner. Friedrich Nietzsche hatte ebenfalls noch gewichtige Gegner: David Friedrich Strauß, Schopenhauer, Wagner, Moralismus und Pfahlbürgerei. Im 20. Jahrhundert konnte sich die Ideologiekritik des Heideggerschen Dunkeltums annehmen. Die Kritik der Nazi-Ideologie war keine intellektuelle Herausforderung, die Kritik des postmarxistischen Kommunismus ebensowenig. Wer den gegenwärtigen Zustand der deutschen Ideologie erkunden wollte, der müßte sich der Kirchentage widmen, wo sich Politiker und Prediger samt Anhängern zur großen Gemeinschaft unter Gottes Auge („Du siehst mich“) treffen, um aller Welt vorzumachen, daß man so gut „geworden“ ist, daß die Gottheit („seit wann Duzen wir uns denn“) sich nicht mit Grausen abwenden muß. Die massenwirksame Verknüpfung von postprotestantischer Predigt („oh Gott, was machen wir nur mit diesem Luther“) und politischem Wertegeschwätz ist kaum der Rede wert. Sie zeigt jedoch, daß die Kritik der (politischen) Religion auch in ihren Verfallsformen keineswegs beendet ist.

© WS 2017