Emily Dickinson: Poetische Kompression

Schlagwörter

, ,

Emily Dickinson: Poetische Kompression

In den Versen mit der Nr. 772 führt Emily Dickinson vor, wie sehr das Verfassen von Gedichten der Herstellung von Parfum gleicht. Um etwas auszudrücken, muß man die Worte ausdrücken, auswringen, zusammenquetschen.

Essential Oils – are wrung –
The Attar from the Rose
Be not expressed by Suns – alone –
It is the gift of Screws

The General Rose – decay –
But this – in Lady´s Drawer
Make Summer – When the Lady lie
In Ceaseless Rosemary.

Essenz – entsteht durch Quetschen –
Das Öl der Rosen haben
Nicht nur die Sonnen ausgedrückt –
Es ist der Schrauben Gabe –

Die Durchschnittsrose – welkt –
Doch die  – in der Kommode
Schafft Sommer – wenn die Lady selbst
Im Rosmarin vermodert.

(Ü: G.Kübler)

Advertisements

Hugo Ball über Hermann Hesse: „kein Flunkern, kein Klopfreden, kein Firlefanz“

Schlagwörter

, ,

Wolfgang Sofsky
Hugo Ball über Hermann Hesse: „kein Flunkern, kein Klopfreden, kein Firlefanz“

Hermann Hesse und Hugo Ball hatten sich in den 20er Jahren im Tessin kennengelernt. Als Ball im September 1927 im Alter von 41 Jahren an Magenkrebs starb, schreibt Hesse: „Du warst uns ein Vorbild. In der Zucht deines Denkens, in der Strenge deines sprachlichen Verantwortungsgefühls, im unablässigen Dienst am Worte, im bewußten Kampf gegen die Neigung der Epoche zur Fahrlässigkeit und Verantwortungslosigkeit im Denken und im Reden, bist du uns manche Jahre ein Beispiel gewesen.“

Ein Jahr davor, 1926, hatte Hesses Verleger Samuel Fischer einen Autor für eine Hesse-Biographie gesucht, die zu dessen fünfzigstem Geburtstag im Juli 1927 erscheinen sollte. Hesse hatte ihm Hugo Ball, seinen Freund und Nachbarn empfohlen, der zeit seines Lebens in Geldnot hauste. Ball erhielt als Vorauszahlung 450 Mark, nach vier Monaten war die Biographie geschrieben. Fischer war zufrieden und schrieb an Hesse: „Mit dem Buch von Ball freue ich mich sehr. Sie haben nicht zuviel gesagt: Ball ist eine starke Persönlichkeit, was er sagt, ist auf seinem Boden gewachsen. Es wird die beste biographische Arbeit, die ich in meinen Verlag habe.“

Unter „progressiven“ Intellektuellen und Literaturkritikern war es eine Zeitlang Mode, Hesse gründlich zu verachten und ihn der Kitschkunst zu zeihen. Das hat Millionen Leser nicht davon abgehalten, „Siddhartha“, den „Steppenwolf“ oder die „Märchen“ mit Genuß und Gewinn zu lesen. Ball war in seinem ästhetischen Urteil unbestechlich. Er schätzte seinen Freund nicht nur als Freund, sondern als Dichter jenseits literarischen Geschwätzes. So heißt es in der Biographie:

„Dieser Dichter liebt nicht die Monstrebücher und großen Formate; nicht bei andern und nicht bei sich selbst. Talent haben, heißt ihm Talent verbergen. Die Kunst des Schreibens besteht im Weglassen und Einsparen, im Reduzieren. Ein Satz, ja eine Geste oder ein Schweigen ersetzen in seinen Büchern den Aufwand ganzer Kapitel. Nicht die Maschinerie des Romans und nicht das Theater der aufgetragenen Leidenschaften sind ihm verfänglich; weder die Abstraktion und das Gemächte der Absicht, noch die furiose Gewalt des Genies. Das Kabinettstück ist seine Sache. Langsames Wachsen und Reifen, ein Aufleuchten der Gnade; Jungsein und Altsein und Wiedergeburt –: das sind die Quellen seiner Erzählung.“

Merkwürdig genug: dieser Musikus, der die Flöte zu spielen versteht, ist zugleich ein hervorragender Bildner. Die Musik ist immer zuerst da, schon von weitem her, wenn er kommt. Sie läuft ihm voraus, sie begleitet ihn; dann umtanzt sie die Bilderbogen, die er aufrollt. Und dies ist selten, und lustig und traurig zugleich; weil dann die schönen Dinge gar sehr vorhanden und süß sind und doch vergänglich erscheinen; weil sie den festlichen Tod im Gesichte tragen und schon die beginnende Gnade der Wiederkehr. Mit Auge und Ohr zugleich umfaßt dieser große Künstler die Gegenstände, und immer mit gleich verteilter Schärfe. Kein Gedanke, der sich ihm nicht in Bild und Musik, in eine wohlklingende Schildnerei auflöste. Er lauscht und zeichnet. Er hat die gemessene Logik eines Architekten, und doch auch die stille Geduld eines Gärtners, der warten kann, bis sich die schmächtige Pflanzung zum tragenden Wipfel verzweigt.

Es gibt heute keinen zweiten Dichter, der so sehr die Tradition für sich hat und so bewußt in ihr ruht. Die Ruhe ist ihm eigen wie dem Baume im Park und im Walde, der Ulme und Esche, die aufwachsen, Ringe gewinnen und sich im Abendwind wiegen. Die Ruhe ist ihm so eigen wie dem Brunnen, der in sich verspielt und versunken ist, und dem still fließenden Gewässer, das in seinen eigenen Kreislauf mündet. Der Wald gehört ihm, der Schwarzwald und der Odenwald; noch heute, er weiß es wohl. Ihm gehört der schlafende Garten, die tönende Nacht und das Urbild der Mutter, der freundliche Tod, für den er das franziskanische Bruderwort findet.

Und es gibt keinen Zweiten heute, der so allem Echten, Dauernden, Liebenden auch im geistigen Bezirke zugetan und verschworen wäre. Für die durchdringenden Augen dieses Mannes gibt es kein Flunkern, kein Klopfreden, keinen Firlefanz. Wie seiner Worte Form und Treue erkämpft und errungen ist, mit mancherlei Irrweg und Scham, mit mancherlei Aufbruch und Heimweh, mit Scherbengeklirr und mit wehem Verzicht, so sieht er im Getümmel der Schreiber und Sprecher, der Bildner und Musikanten auf das Herz vor allem, daß es genau und richtig schlage; daß es gelitten habe und seinen Glanz behalten; daß es ritterlich sich darbringe; daß es im Denken der Väter ruhe und doch ein neu Lied und ein neuer Beginn aus sich selber wäre.“

© WS 2018

Torheit Hoffnung

Schlagwörter

, ,

Wolfgang Sofsky

Torheit Hoffnung

Hoffnung findet ihren Fluchtort in der Zukunft. Doch will sie nichts erwarten, vorhersehen oder planen, sondern sich Sehnsüchten, Utopien, Wundern hingeben. Hoffnung träumt von einem hohen Gut, das zwar nie zu erlangen, vom Hoffenden gleichwohl für erreichbar gehalten wird: Heilung von unheilbarer Krankheit, Erlösung von Schuld oder Begleichung aller Schulden, ewiges Glück, Unsterblichkeit, das Paradies auf Erden oder im Himmel. Wenn die Zukunft nur weitere Übel in Aussicht stellt, springt die Hoffnung ein. Der Gewinn mag unwahrscheinlich sein, die Hoffnung glaubt fest daran. Der Wunsch mag unerfüllbar, das Ziel in weiter Ferne sein, Hoffnung läßt sich davon nicht beirren. Aus Schaden wird Hoffnung niemals klug. Den Mangel an Information ersetzt sie durch Starrsinn. Auch wenn alle Saiten längst zerrissen sind und nur eine letzte noch erklingen kann, hält sie die nutzlose Lyra fest in Händen. Gründe benötigt die Hoffnung ohnehin nicht. Sie greift um sich, wenn alle Gründe erledigt sind. Niemals fragt Hoffnung nach Beweisen, Argumenten, Belegen. Ihr Reich ist jenseits der Erfahrung, der Vernunft.

Wie der Glaube ist die Hoffnung eine Verfassung des Geistes. Sie bringt den Verstand dazu, auch dem beizustimmen, was er nicht sieht. Das Künftige ist in der Antizipation bereits anwesend, und diese Idee des Kommenden nährt die Illusion. Hoffnung vermittelt schon jetzt etwas von der künftigen Wirklichkeit. Sie ersetzt den fehlenden Beweis für das, was noch nicht zu sehen ist. Weil sie dem Wunsch trügerische Substanz verleiht, kann der Hoffende auf Überprüfung verzichten. In der Welt seiner Vorstellung ist er gegen Enttäuschungen immun.

Hoffnung setzt daher auch nicht auf das Handeln. Sie macht aus der Not des Unerreichbaren eine Tugend. Das Erhoffte liegt in der Regel außerhalb der eigenen Reichweite. Wäre es durch eigene Anstrengung zu erlangen, so benötigte der Mensch keine Hoffnung, sondern nur Findigkeit, Kraft und Ausdauer. Der Hoffende jedoch hält sich an die Devise, daß sich Glück und Heil schon finden werden. Die Mittel kümmern ihn nicht. Ob er etwas tut oder nicht, ist zweitrangig. Allenfalls muß man rechtzeitig das Los abgeben. Wo Hoffnung grassiert, ist die Trägheit nicht weit. Hoffen und Harren machen gar manchen zum Narren.

Hoffnung trübt den Blick auf die Sachlage und hemmt das Handeln. Mitnichten ist das Prinzip Hoffnung ein Motor der Geschichte. Der Elan der Religionen und Ideologien speist sich nicht aus Hoffnungen, sondern aus Ressentiment, Machtgier und Hochmut……

(aus: Wolfgang Sofsky, Laster. Gesichter der Unmoral, London 2018, S. 91f., erhältlich bei amazon)

© WS 2018

Arthur Schopenhauer: Über die Hoffnung

Schlagwörter

, ,

Wolfgang Sofsky
Arthur Schopenhauer: Über die Hoffnung

„Hoffnung ist die Verwechselung des Wunsches einer Begebenheit mit ihrer Wahrscheinlichkeit. Aber vielleicht ist kein Mensch frei von der Narrheit des Herzens, welche dem Intellekt die richtige Einschätzung der Probabilität so sehr verrückt, daß er eins gegen tausend für einen leicht möglichen Fall hält. Und doch gleicht ein hoffnungsloser Unglücksfall einem raschen Todesstreich, hingegen die stets vereitelte und immer wieder auflebende Hoffnung der langsam marternden Todesart.

Die Hoffnung ist ein Zustand, zu welchem unser ganzes Wesen, nämlich Wille und Intellekt, konkurriert: jener, indem er den Gegenstand derselben wünscht, dieser, indem er ihn als wahrscheinlich berechnet. Je größer der Anteil des letztern Faktors und je kleiner der des erstern ist, desto besser steht es um die Hoffnung; im umgekehrten Fall desto schlimmer.

Wen die Hoffnung, den hat auch die Furcht verlassen: dies ist der Sinn des Ausdrucks „desperat“. Es ist nämlich dem Menschen natürlich, zu glauben, was er wünscht, und es zu glauben, weil er es wünscht. Wenn nun diese wohltätige, lindernde Eigentümlichkeit seiner Natur durch wiederholte sehr harte Schläge des Schicksals ausgerottet und er sogar umgekehrt dahin gebracht worden ist, zu glauben, es müsse geschehen, was er nicht wünscht, und könne nimmer geschehn, was er wünscht, eben weil er es wünscht; so ist dies eigentlich der Zustand, den man Verzweiflung genannt hat.“

Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II, §313

Adnotum: Für den Drechsler grimmigwahrer Worte ist dies ein recht milder Befund. Aber die Hoffnung ist weit mehr als eine Narrheit des Herzens, eine verzeihliche Torheit. Sie spottet jeder Logik. Ihre kardinaler Fehlschluß, der nicht zuletzt der Fehlschluß aller Kardinäle samt Gefolgschaft ist, lautet: Ich glaube, daß p, weil ich wünsche, daß p. Wo immer sich Menschen der Hoffnung hingeben, sei es im Ehebett, der Schule, im Spital, auf dem Marktplatz, in der Kirche, im Kriegsstab oder im Regierungskabinett, stützen sie ihre Weltsicht und ihr Handeln auf diese Idiotie der Unvernunft. Hoffnung ist eine geschichtsmächtige Kraft. Sie verleitet nicht nur dazu, sich etwas vorzumachen oder sich mit dem Ärgsten abzufinden, sie mobilisiert den kollektiven Glauben an himmlische und irdische Götter und Mächte, vertraut leeren Versprechen und Verheißungen und führt geradewegs in die Fangarme der Tyrannei. Fern aller Wohltaten, gebiert auch die Hoffnung jene Übel, die sie sodann heftig hinwegzuwünschen pflegt.

© WS 2018

EU-Lösung?

Schlagwörter

,

Wolfgang Sofsky
EU-Lösung?

Alle Welt spricht davon, daß es für die Massenwanderung nach Europa eine kontinentale Lösung geben müsse. Da es diese nicht gibt, nimmt man Zuflucht zu Phantasien. Da ist zuerst die Wunschvorstellung, man könne die „Fluchtursachen“ vor Ort bekämpfen: also die Kriege in Nah-Ost, Afrika, Hindukusch etc. beenden, das Wirtschaftswachstum forcieren, korrupte Eliten ersetzen, Clanrivalitäten lösen, Brunnen bohren. Das ist erkennbar pures Gerede. Da ist zweitens die Idee, die EU könne extrakontinentale „Auffanglager“ einrichten. Das Projekt Lybien ist bereits gestrichen, das Projekt Albanien ebenso. In Niger, Mali, Tunesien, Spitzbergen etc. wird es nicht anders sein. Bleiben drittens EU-interne, aber grenznahe „Auffanglager“; die gibt es bereits in Italien, Griechenland, Bulgarien. Fehlen noch Spanien und Spitzbergen. Alle diese Auffanglager werden wachsen, da die Aufnahmebereitschaft in den EU-Ländern fällt. Einige Länder nehmen überhaupt keine Zuwanderer auf und werden dies auch künftig nicht tun. Ohnehin will von den Migranten niemand freiwillig nach Polen oder Ungarn. Die allermeisten wollen nach Deutschland, Niederlande oder Frankreich. Doch in diesen Ländern steigt – trotz sinkender Zuwanderungszahlen – der Widerstand. Mit Verweisen darauf, was „alles man schon geschafft“ habe, kann man die virulenten und zunehmenden gesellschaftlichen Konflikte nicht übertünchen. So verwandeln sich die „Auffanglager“ in „Dauerlager“ oder Ghettos, mit Kasernierung oder ohne. Da es keine EU-Lösung gibt, bleibt es schließlich den einzelnen Nationalstaaten überlassen, die Zuwanderung an ihren Grenzen zu stoppen bzw. die Häfen zu schließen. Ein Zaun im Mittelmeer ist bekanntlich schwer installierbar, eine lückenlose Kontrolle mit Seepolizei, Marine etc. erfordert hohen Einsatz und übersteigt den EU-Haushalt. Die ominöse „Sicherung der EU-Außengrenzen“ ist also nur Schwindel. Der hierzulande angeblich so gefürchtete „Dominoeffekt“ bei striktem nationalem Grenzregime ist natürlich kein wirkliches Problem. Die Koordination ist bei rechtzeitiger Information zu organisieren. Nur die wolkige Ideologie der „Solidarität“ verliert weiter an Glaubwürdigkeit. Ohne diesen Effekt bei Schließung der Balkanroute durch die vielfach geschmähten Orban, Kurz u.a. wäre Merkel nicht mehr im Amt. Österreich hat die nötigen Maßnahmen bereits geübt, die italienischen Häfen werden von Tag zu Tag mehr abgedichtet, Spanien wird früher oder später folgen. Wo also ist die EU-Lösung auf kurze, mittlere, längere Sicht?

© WS 2018

Klee: Linien-Verhüllung

Schlagwörter

, ,

Wolfgang Sofsky
Paul Klee: Linien-Verhüllung

Aus dem Jahre 1931 stammt eine Federzeichnung Paul Klees, welche die Linie sich derart durchdringen läßt, daß nur noch zwei Füße sichtbar sind. Die Gestalt, Beine, Arme, Rumpf, Hals, Kopf und Schlapphut verschwinden gänzlich im Liniengeflecht. Klee, der große Kritzler, hat die Linie wohl geführt, ohne abzusetzen und ohne dem Körper Gestalt zu verleihen. Hier macht die Kunstlinie nichts sichtbar, sie verhüllt alles.

© WS 2018

Politik und Geist oder Lob der zynischen Vernunft

Schlagwörter

, ,

Wolfgang Sofsky
Politik und Geist oder Lob der zynischen Vernunft

Von dem Dramatiker, Spätmarxisten und Zigarrenraucher Heiner Müller, der temporäre Schreibblockaden gelegentlich mit einer Flasche besseren Whiskys zu überwinden pflegte, ist eine Bemerkung über die zynischen Kapazitäten von Politikern überliefert. Auf die Frage, ob Politiker zynisch seien, sagte er: „Nein. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten von Politikern, daß sie ihren eigenen Reden glauben. Zum Zynismus gehört eine Intelligenz, die in der Politik nicht gefragt ist.“ Solche Bemerkung kann – überraschungsfrei – ein Lamento über die Überheblichkeit von Intellektuellen gegenüber Politikern auslösen, eine Klage über den Elitenhaß der Geisteselite oder über die Doppelzüngigkeit der Denker, die ja selbst nur nach Macht gieren. In einem Land indes, in dem der langjährige zweithöchste Staatsrepräsentant als großer Ironiker gehandelt wurde, weil er die Volksvertreter ermahnte, in den Ferien nicht allzu weit hinauszuschwimmen (wg. möglichen Rückrufs), scheint der Sinn für Selbstdistanz wenig entwickelt. Wo Politik in Moral ersäuft wird und jede zweite Rede in einer – überraschungsfreien – moralisierenden Pointe endet, ist weder die Kapazität zur Ironie noch gar zum Zynismus (was ja bekanntlich noch etwas anderes ist) ausgeprägt. Weit und breit keine Hunde in Sicht (obwohl Zynismus ja bekanntlich noch etwas anderes als Kynismus ist)! Anders gesagt: Der Wille zum Selbstbetrug ist allen Moralpredigern eigen, was wir nicht erst seit Heiner Müller, sondern spätestens seit Friedrich Nietzsche wissen. Ein Zyniker weiß, daß er lügt. Er weiß, daß ihm die Moral nur als Mittel der Macht etwas gilt. Er weiß, daß er betrügt, weil seine Hörer betrogen werden wollen. Und er wäre zugleich ein wahrhafter Ironiker, wenn er dies noch mit einer zweideutigen Offenlegung andeuten würde. Stattdessen: der Augenaufschlag der Wahrhaftigkeit, der Brustton der Selbstgerechtigkeit, der plane Appell an die – vermeintliche – Wahrheit. Dagegen hilft weder Whisky noch Zigarrenrauch.

© WS 2017